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Editorial
 

Wolfgang Lenz
 

 

Liebe Leserin und lieber Leser,

nach rund 40-jähriger Berufstätigkeit habe ich mich entschlossen, meine Prioritäten neu auszurichten. Ich blicke zurück auf vierzig Jahre, in denen kein Tag dem anderen gleich war, vierzig Jahre, in denen grosse Veränderungen stattfanden. Eine Zeit, in der sich das Tätigkeitsfeld des Ingenieurs sehr gewandelt hat.

 

Als ich 1968 als frischgebackener Maschinenbauingenieur ins Berufsleben startete, hatte ich das Gefühl, mit meinem fundierten Fachwissen aus dem Studium recht gut
in der Praxis bestehen zu können. Das allerdings war, wie ich sehr bald erfahren
musste, eine erste grundlegende Fehleinschätzung. Mangelnde Kenntnisse in der Betriebswirtschaft und im Projektmanagement sowie die sich rasant entwickelnden EDV-Systeme stellten unsere Ingenieurgeneration täglich vor ungeahnte Herausforderungen.

Turbulent war ja bereits die Studienzeit gewesen: Studieren in Frankfurt am Main
in den Sechziger Jahren war von den vielfältigen Aktivitäten und Attacken der linken Studentenbewegung begleitet. Politiker – heute in Amt und Würden – konnte man damals bei Aktionen beobachten, auf die man sie heute besser nicht mehr anspricht. So manche Vorlesung wurde durch die roten Rollkommandos in jener Zeit unmöglich gemacht. Mittlerweile denke ich oft darüber nach, ob die damalige weitgehende Zurückhaltung unserer Fachbereiche für die kommenden Jahre das Image des Ingenieurs prägte. Denn im Laufe meines späteren Berufsweges habe ich selbst eine überraschend technikfeindliche Entwicklung erlebt, die teilweise an die Maschinenstürmerzeit des 19. Jahrhunderts erinnert. Es war schon fast »chic«, sich bei Diskussionen als technisch ungebildet zu outen.

Diese Entwicklung machte selbst vor Wirtschaftsbereichen, die auf gute Ingenieurarbeit angewiesen sind, nicht halt. Tatsächlich ist nach wie vor festzustellen, dass die beruflichen Möglichkeiten für Ingenieure, auf die Führungsebene aufzusteigen, deutlich hinter denjenigen anderer Fachrichtungen herhinken. Nicht zuletzt ist das auch in den Honoraren erkennbar.

Ich bin jedoch sicher, dass der Ingenieurberuf mittelfristig die Wertschätzung bekommen wird, die ihm zusteht. Schon heute fehlen in Deutschland jährlich zwanzig- bis dreissigtausend Ingenieure. Nach fast vierzig Jahren bin ich mehr denn je davon überzeugt, dass es letztendlich Ingenieure sein werden, die gemeinsam mit den Naturwissenschaftlern die grossen Aufgaben unserer Zeit, wie zum Beispiel der Einsatz von neuen Energieformen und der Klimaschutz, oder die Umsetzung von Forschung und Entwicklung in der Pharmatechnik anpacken und erfolgreich lösen werden. Einfallsreiche und tatkräftige Ingenieurteams wie bei Chemgineering werden es sein, die auch bei dieser Herausforderung zupacken und sie meistern. Eine gesunde, dynamische Mischung aus erfahrenen Senior-Ingenieuren und jungen Mitarbeitern der verschiedenen Naturwissenschaften bildet heute das Rückgrad unseres Unternehmens. Vom ersten Tag an konnte ich als Geschäftsführer und Gründungsmitglied von Chemgineering auf ein exzellentes Team zählen, ohne das die Entwicklung des Unternehmens in dieser Zeit nicht möglich gewesen wäre.

Mit Stolz und auch Wehmut werde ich die Chemgineering Gruppe formell am 30. Juni 2007 verlassen und mich mehr den Dingen zuwenden, die bisher etwas zu kurz gekommen sind. Dabei wird jedoch meine Verbindung zu Chemgineering und den Geschäftsfreunden auf verschiedenen Ebenen bestehen bleiben und weiter gepflegt.

Ihnen allen, meinen Kolleginnen und Kollegen, unseren Kunden und Geschäftspartnern gilt mein herzlicher Dank für die Treue und Unterstützung in den vergangenen Jahren. Sie machen mir eine grosse Freude, wenn Sie Ihr Wohlwollen und Vertrauen auch in Zukunft dem Unternehmen Chemgineering und meinem Nachfolger als Leiter des Geschäftsbereichs Engineering entgegenbringen.

 

Ihr Wolfgang Lenz

   
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