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GAMP 5 – das unbekannte Wesen
Welche Innovationen die neue Version der »CSV-Bibel« mit sich bringt
   
 

Nach mehr als 4-jähriger Überarbeitung ist der Leitfaden zur »Good Automated Manufacturing Practice« (GAMP) für die pharmazeutische Industrie in der fünften Version verfügbar. Darin wurde aktuellen Entwicklungen auf regulatorischem Gebiet und den Tendenzen in der Industrie hinsichtlich Patientensicherheit, Produktqualität und Datenintegrität Rechnung getragen.

Hauptziele des neuen Standardregelwerks sind, Doppelarbeiten zu vermeiden und die Validierungstätigkeiten des Lieferanten stärker einzubinden. Zudem erlaubt GAMP 5 mehr Freiheit im Vorgehen, indem neben dem V-Modell andere Lebenszyklus-Modelle oder agile Methoden zulässig sind. Auch berücksichtigt die neue Version, dass die meisten Systeme konfigurierbar sind und während ihres Lebenszyklus angepasst werden müssen.

Wichtige neue Features
Besonders betont wird der kosteneffektive Ansatz bei der Herstellung des Compliance-Zustands sowie die Eignung für den Anwendungszweck (Fitness for intended use). Entscheidende Neuerungen sind:

Komplette Darstellung des Systemlebenszyklus
beginnend mit dem Designkonzept bis zur Systemstilllegung, einschliesslich der Einbettung in das Qualitätsmanagementsystem.

Skalierbares Vorgehen zum Erreichen und Erhalt der GxP-Konformität
Anhand der Risikofaktoren Neuheit und Komplexität wird der Validierungsaufwand bestimmt: Je höher einer oder beide Faktoren sind, desto mehr Risiko und Aufwand bestehen. Das Risiko selbst wird immer hinsichtlich der Auswirkungen auf Produktqualität, Sicherheit oder Datenintegrität bewertet. Beispielsweise ist ein SAP-System hoch komplex und damit risikobehafteter als ein Excel-Formular zur Berechnung von Laborergebnissen. Die Kontrolle des Herstellprozesses bedeutet ein hohes Risiko, während die Pflege der Datenbank für Schulungsdaten ein niedriges Risiko beinhaltet.

Fokussierte Beteiligung der Qualitätssicherung (QA)
Beispielsweise sollte QA die URS nur gegen Regularien prüfen und unterschreibt nur Qualitätsdokumente (URS, Validierungsplan usw.). Für den technischen
Review und das Unterschreiben der entsprechenden Dokumente (Design-Spezifikationen usw.) sind die Fachexperten »Subject Matter Experts« (SME) zuständig. QA kann zwar prüfen, ob alle technischen Projektdokumente erstellt wurden, eine explizite Unterschrift ist jedoch nicht erforderlich.

Unterschriftenlimit
Bisher waren oft bei weitem zu viele Unterschriften auf den Dokumenten. GAMP 5 schlägt als Maximum drei Unterschriften pro Dokument vor, mit dem Hinweis, immer den konkreten Mehrwert von Unterschriften zu hinterfragen.

Klar definierte Anforderungen
Im GMP-Umfeld wird die Bedeutung einer klaren Anforderungsdefinition betont, die auf dem Verständnis wissenschaftlicher Hintergründe und kritischer Qualitätsattribute basieren sollte. Bei der Entwicklung und Herstellung pharmazeutischer Produkte wird dadurch der Quality by Design (QbD) Ansatz erleichtert.


In den Anhängen von GAMP 5 sind einige neue Kapitel hinzugekommen.

 

Vereinfachungen und Ergänzungen
Im Vergleich zum Vorgänger GAMP 4 wurden einige Regelungen gelockert, ganz weggelassen und auch ergänzt:

Optionale Begriffsverwendung
Der Gebrauch der traditionellen Begriffe IQ/OQ/ PQ ist lediglich optional. Damit geht der Leitfaden weg von der strengen Phasenabgrenzung im V-Modell.

Gelockerter Freigabeprozess
Abkehr von sukzessiver Freigabe der URS, Funktionsspezifikation, Designspezifikation. Die Dokumente können lange im Draft-Status gehalten werden.

Die Softwarekategorie 2 (Firmware) wurde entfernt
Firmware ist inzwischen komplex und funktionell nicht mehr von anderer Software zu unterscheiden. Auch die Beschreibung der anderen Softwarekategorien hat sich minimal geändert. Statt »Betriebssysteme« wurde für Kategorie 1 der umfassendere Begriff »Infrastructure Software« eingeführt.

Nutzung der Dokumentation und des Wissens des Lieferanten
Bei der Systementwicklung erstellte Testdokumente dürfen nun für die zukünftige Validierung bei Anwendern herangezogen werden und vermeiden so Doppelarbeit.
Explizite Lieferantenauditierung nicht zwingend
Der Lieferant sollte Prozesse wie Änderungswesen, Fehlerursachenanalyse und kontinuierliche Verbesserung etabliert haben. Zwischen Anwender und Lieferant sollten Qualitäts- und Supportvereinbarungen bestehen.

Qualitätsicherung bei Zweit- und Drittlieferanten
Wenn der Lieferant selbst Tätigkeiten von Outsourcing-Partnern bezieht, muss er die Qualität der Leistungen durch sorgfältige Kontrollen sicherstellen.

Qualitätsmanagementsystem (QMS)
Betont wird die Bedeutung einer effektiven Unternehmensorganisation zur Erreichung und Aufrechterhaltung von GxP-Konformität. Dies umfasst die Etablierung eines QMS mit klar definierten Regelungen zu Verantwortlichkeiten, Trainingsmassnahmen, Lieferantenbeziehungen, Inventarisierung aller relevanten ITSysteme und kontinuierlicher Verbesserung.

Prozess- und Systemverbesserung
Auf Grundlage periodischer Reviews, Fehler-Ursachenanalysen und CAPA-Ereignissen werden Möglichkeiten zur Prozess- und Systemverbesserung identifiziert und genutzt.

Die acht Kapitel des Hauptteils zusammengefasst.

Jahrelange Praxis manifestiert
Positiv ist, dass der GAMP-Leitfaden dem aktuellen Stand in Regularien, Technik und Industrie angepasst wurde. Das Dokument beschreibt, wie die Industrie gegenwärtig das Thema »Gute Praxis« interpretiert, bleibt aber nach wie vor im Einklang mit den in GAMP 4 dargelegten Prinzipien. Insgesamt verlagert sich der Schwerpunkt der Betrachtung hin zur Änderung bestehender Systeme, was den tatsächlichen Gegebenheiten auf Anwenderseite Rechnung trägt. Zudem wurde der Fokus auf verwandte Gebiete und Branchen wie die Biotechnologie und Medizingeräteherstellung ausgeweitet.

Unterm Strich wird der pragmatische, risikobasierte Ansatz – wie ihn die Business Designer von Chemgineering schon seit Jahren pflegen und anwenden – durch GAMP 5 bestätigt. Ihr Vorteil als Kunde ist, dass mit dieser Herangehensweise die benötigten Aufwendungen bei Validierungsprojekten auf ein Minimum reduziert werden können.

Dr. Peter Schober
Peter Schober

   

 
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