Newsletter 03-07 Inhaltsübersicht
   
Technologietransfer von Hanau nach Port Elizabeth
Heraeus errichtet Produktionsanlage für hochreines Platin und Palladium in Südafrika
   
 

Laut Auskunft des Auswärtigen Amtes befindet sich Südafrikas Wirtschaft »in
einer wachstumsorientierten Verfassung. Die konjunkturelle Entwicklung verläuft nach wie vor positiv.« Insgesamt importierte Südafrika im Jahr 2006 Maschinen im Wert von etwa 4,8 Mrd. Euro, davon erreichten deutsche Maschinenlieferungen einen Wert von rund 1,1 Mrd. Euro, etwa 15% des deutschen Gesamtexports in die Kaprepublik. Um Technologiestandards aus der deutschen Industrielandschaft nach Südafrika erfolgreich zu transferieren, bedarf es allerdings einer gut durchdachten Planung und der Bereitschaft, sich konsequent auf die vor Ort gegebenen Möglichkeiten einzustellen.

Ein internationaler Transfer von Herstellprozessen kann verschiedene Anlässe haben:

• Eingehen von Partnerschaften, um die Entwicklung bis zur Marktreife
  weiterzuführen
• Übertragen von Herstellkapazitäten auf andere Standorte
• Vorteile durch Beteiligung an Marketing- und Vertriebskapazitäten von Partnern
• Nutzbarmachen eines anderen Anwendungsbereiches

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Pilotanlage als Basis
Nachdem die Entscheidung für einen zusätzlichen Produktionsstandort im Ausland gefallen ist, werden die konkreten Rahmenbedingungen definiert: Zeit- und Kostenvorgaben, Behördenauflagen, besondere Qualifikationen der Projektpartner. In unserem Fall beabsichtigte W.C. Heraeus in Hanau (Deutschland) im Jahr 2005, eine neue Produktionsanlage zur Herstellung hochreinen Platins und Palladiums (Fine Metall Refinery) in Port Elizabeth, Südafrika, einzurichten. Als Basis für den Transfer diente eine im Pilotmassstab vorhandene Anlage in Deutschland.
Das Projekt startete, wie üblich, mit einer Konzeptstudie zur Ermittlung der Projektrisiken und der Abschätzung der Machbarkeit. Im anschliessenden Basic Engineering wurde bereits auf Grundlage der Komplexität der Anlagensysteme und der Verfügbarkeit festgelegt, welche Anlagenteile aus Deutschland exportiert oder in RSA beschafft werden. Wie die Erfahrung zeigt, ist die Art und Weise der Einbindung von örtlichen Dienstleistern, zum Beispiel zur Montagedurchführung, immer ein ausschlaggebender Faktor für den Projekterfolg. Der Entscheidung für die Beauftragung lokaler Subunternehmer lag dabei ein Kriterienkatalog zugrunde, zu dem unter anderem folgende Aspekte gehörten:

• Sicherheits- und Funktionsstandards
• Fertigungs-Know-how bezüglich der eingesetzten Materialien
• Materialverfügbarkeit und -qualität
• Beschaffung und Serviceangebot von mechanischen und elektrischen
  Komponenten

Sorgfältige Begutachtungen der Dienstleister und Lieferanten vor Ort ermöglichten eine genaue Beurteilung des vorhandenen Leistungspotentials. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse beruhte die Planungstiefe für das Detail Engineering. Die planerischen Vorgaben waren dabei so präzise, dass die Errichtung der Anlage durch Kontraktoren ohne grossen Ingenieuraufwand seitens Chemgineering und Heraeus vor Ort erfolgen konnte.

Auch der Einsatz von Standardkonstruktionen trug entscheidend zu einer Reduktion des Gesamtaufwands bei. In der Phase des Detail Engineering übernahm Chemgineering das Controlling für das Gesamtprojekt. Da Heraeus die hierzu notwendigen Informationen stets zeitnah zur Verfügung stellte, lag während dieser Projektphase ein fortlaufend aktualisierter Kostenreport vor.

Win-win mit lokalen Partnern
In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit W.C. Heraeus in Hanau und Heraeus Chemicals in Südafrika wurde das Projekt terminlich und finanziell zu aller Zufrieden-heit fertiggestellt. Mit diesem Projekt hat Chemgineering erneut bewiesen, dass der internationale Transfer hochentwickelter Technologien für alle Beteiligten gewinn-bringend ist, wenn die Planung die Stärken von lokalen Partnern miteinbezieht.

Bodo Ney
Michael Bodenteich

   

 
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