| Derzeit entsteht in Basel ein hochmodernes Produktionszentrum für Biotechnologie. Initiator und Auftraggeber ist die F. Hoffmann-La Roche AG, einer der weltweit führenden Anbieter im Bereich Pharmazeutika und Diagnostika.
Neue Mehrprodukte-Anlage für Biotechprodukte am Standort Basel
Die neue Anlage entsteht auf dem Areal der F. Hoffmann-La Roche AG und tritt damit an die Stelle einer ehemaligen Chemieproduktionsstätte. Zwei Unter-, acht Obergeschosse und insgesamt 40m hoch wird das Gebäude werden. In 6 Produktionsfermentern mit einem Volumen von je 12,5 qm und in zwei Downstream-Linien werden zukünftig biotechnologisch hergestellte Medikamente (Monoclonal Antibody, kurz: MAB) und andere Zellpräparate in grossem Umfang produziert. Baubeginn war im Herbst 2004; die Qualifizierung der Anlage läuft bis Anfang 2007. Die ersten Produkte sollen 2009, nach Registrierung der Anlage, ausgeliefert werden.
Simultane Montage für ultraschnelle Fertigstellung
Die Realisierung der innovativen Anlage gilt aufgrund des extrem straffen Terminplans und der sich überschneidenden Projektphasen als so genanntes "Ultra Fast Track Project". Planung, Montage und Qualifizierung erfolgen nicht nacheinander, sondern nahezu simultan.

Links: Rohrleitungsteile in der Vorfertigung. Eine sorgfältige Planung der Montageabläufe stellt sicher, dass jedes Teil zum richtigen Zeitpunkt gefertigt und für die Installation auf der Baustelle bereit liegt.
Rechts: Eine logistische Meisterleistung war es, die grossen Fermenter in den exakt geplanten Zeitfenstern, sicher an ihren Montageort zu transportieren.
Die Überschneidung zeigt sich besonders deutlich in der Montagephase: Während die oberen Stockwerke noch im Rohbau sind, werden in den Kellergeschossen bereits erste Geräte montiert, Leitungen verlegt und Kabel gezogen. Während der Kernbauphase sind durchschnittlich 500 Arbeiter zeitgleich auf der Baustelle und in der Vorproduktion im Einsatz. Das gesamte Material und vorgefertigte Teile werden ausnahmslos "just in time" produziert und geliefert, da vor Ort keine Lagermöglichkeit besteht.

Construction Management durch Chemgineering
Ein Construction Management (CM) sorgt für den reibungslosen und termingerechten Ablauf der Bauarbeiten und der Gewerke-Erstellung bis zur Inbetriebnahme. Für die Koordination, Bauleitung sowie das Expediting für alle prozesstechnischen Einrichtungen und Installationen ist Chemgineering verantwortlich.
Der Projektauftrag umfasst
. Sekundär-Stahlbau, inklusive Bühnen und Podeste
. Prozess-Equipment (Behälter, Pumpen, Filter etc.)
. Package-Units und Liefereinheiten
. Prozess-Rohrleitungsbau (Steriltechnik) und Energieversorgung
. EMSR-Geräte und zentrale Einrichtungen der Prozessautomation
(PLS/MES, Schaltschränke, Visualisierungsstationen etc.)
. Isolation und Brandschutz
. Expediting für Liefereinheiten und Package-Units beim Lieferanten:
Vorabnahmen, FATs und Dokumentenkontrolle
. Planung und Koordination der Wareneingangskontrolle für EMSR-
Geräte, inklusive Prüfung und Ablage der Qualifizierungsdokumentation
. Planung und Koordination der Lieferung, Einbringung und Montage des
Prozess-Equipments
Darüber hinaus übernimmt Chemgineering innerhalb des CM-Teams administrative Aufgaben wie die Leitung des Projektsekretariats und die Dokumentenkontrolle.
Besondere Herausforderungen an Planung und Konzeption
Das Construction Management beginnt im Oktober 2004 - kurz vor dem Start des Detail-Designs - mit vorbereitenden Arbeiten wie der Erarbeitung von Konzepten für Logistik, Baustellensicherheit, Expediting und Wareneingangskontrolle.
Bereits in der Planungsphase zeigen sich die besonderen Herausforderungen des Projekts: Begrenzte Lagermöglichkeiten vor Ort, ein enger Terminplan und die präzise einzuhaltende Reihenfolge bei der Einbringung der Gebäude- und Prozess-ausrüstung. Um die jeweiligen Transporte und Baumassnahmen leichter koordinieren zu können, wird der gesamte Realisierungsprozess in autarke Baufelder unterteilt. So lässt sich genau steuern, welche und wie viele Bauaktivitäten zeitgleich in einem Teil des Gebäudes stattfinden und eine zu hohe Konzentration von Personal und Material an einer Stelle verhindern. Die Basis bildet ein detaillierter Bau- und Montageterminplan über alle Baufelder.
Dank der frühen Einbindung des CM-Teams und der Zusammenarbeit mit dem Planungsteam können die jeweiligen Bauleiter frühzeitig Einfluss auf Entscheidungen für die anschliessenden Montagestufen nehmen. So fliessen z. B. bereits in der Ausschreibungsphase für die spätere Installation relevante Aspekte in die Angebotseinholung und in die Auftragsvergabe ein.
Die Planung und die Durchführung der Transporte sowie der Einbringung der Geräte erfolgt gemeinsam mit der Logistikabteilung des CM. Der planmässige Ablauf aller Bauschritte gilt als wichtigste Voraussetzung für eine reibungslose Montage, insbesondere für die Koordination der Reinraum-Installationen und der Montage "durchdringender" Gewerke wie z. B. die Apparatemontage, der Rohrleitungsbau und die EMSR-Installation.
Um der Herausforderung begrenzter Lagerkapazitäten vor Ort zu begegnen, werden die Rohrleitungen in einer eigens für diesen Zweck angemieteten Lagerhalle vorgefertigt und - zusammen mit den EMSR-Geräten und dem Prozess-Equipment - gelagert.

Oben: Auch in einem Ultra-Fast-Track-Projekt hat Sicherheit die höchste Priorität.
Mitte: Während die oberen Stockwerke noch im Rohbau wahren, wurden bereits die ersten Apparate in die Technikzentrale im Keller installiert.
Unten: So sieht ein fertig installierter Anlagenteil aus - bereit für die Inbetriebnahme.
Installation der Prozessausrüstung vier Wochen früher als geplant
Im Januar 2005 erfolgt die Grundsteinlegung, nur sieben Monate später wird das Richtfest gefeiert. Im Juni 2005 beginnt mit der Installation der ersten prozesstechnischen Einrichtungen die "heisse" Phase der Montage. Mehr als 900 Apparate, ca. 10.000 R-Einheiten und rund 9.000 MSR-Geräte werden durch insgesamt ca. 40 beteiligte Montagefirmen binnen Jahresfrist installiert.
Knapp sechs Monate nach Beginn der Prozessmontage nehmen im Februar 2006 die ersten Anlagenteile ihren Betrieb auf: die Hilfsenergieversorgungen und -verteilungen in den Kellergeschossen. Dank der präzisen Planung und der professionellen Zusammenarbeit von Auftraggeber, Planungsteam, Construction Management und ausführenden Montagefirmen kann die Installation der Prozessausrüstung vier Wochen früher als geplant abgeschlossen werden. Für Mitte 2007 ist die Übergabe der funktionsgetesteten und qualifizierten
Produktionsanlage an den zukünftigen Betreiber geplant.
Giacomo Canzoneri

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