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Name: Asset Management - Rolle: Kostenkontrolle

Name: Asset Management - Rolle: Kostenkontrolle
Name: Asset Management - Rolle: Kostenkontrolle

Der vorliegende Artikel hat die operationalen Kosten im Fokus und sensibilisiert für die typischen Herausforderungen von Optimierungen. Asset-Management hat viele Gesichter. Das Ziel ist, Ressourcen effizient einzusetzen und das Optimum aus ihnen herauszuholen. Dabei sind alle Arten von materiellen und immateriellen Ressourcen gemeint, ebenso alle Lebensphasen eines Assets: Planung, Erwerb/Errichtung, Nutzung und Rückbau/Verkauf.

Was ist ein Asset?
Was ist der deutsche Begriff? Der englische Begriff meint viel: Kapital, (Geld-) Anlage, Produktionsanlage, Vorteil, Wirtschaftsgut, Fähigkeit und mehr. Teilen wir Assets im Sinne dieses Artikels in drei Kategorien ein: finanzielle Mittel, die Mitarbeiter und deren Know-how sowie die physischen Anlagen, die der Wertschöpfung dienen.

Fokus: Operationale Kosten der physischen Anlagen
Für diese Kategorien, finanzielle Mittel, die Mitarbeiter und die physischen Anlagen, ist eine Betrachtung der Kosten möglich und im Hinblick auf effiziente Ressourcennutzung nötig. Der Bereich der operationalen Kosten (Abb. 1, rot), der besonders im Blick liegt, führt dabei auf das Verbesserungsfeld (Abb. 1, braun). In früheren Newslettern haben wir bereits Aspekte dieses Themas vorgestellt.1 Im Folgenden geht es um die Rüstzeitoptimierung, ein Baustein zur Steigerung der Anlageneffizienz (als Kennzahl erhoben in der OEE2). Die Kunst solcher Projekte ist nicht, eine einzelne Kennzahl zu verbessern. Entscheidend ist, die gesamten Kosten, hier die operationalen Kosten, zu senken. Dies geht nicht, ohne «über den Tellerrand» hinaus zu schauen.

Projekt: Rüstzeitoptimierung (SMED: Single Minute Exchange of Die)
Die Rüstzeitoptimierung hat den Sinn, die Anlagenverfügbarkeit zu erhöhen. Während die Anlage neu eingerichtet wird, kann nicht produziert werden. Oder? Hier muss unterschieden werden zwischen sogenanntem «internen Rüsten» und «externen Rüsten». Das interne Rüsten sind diejenigen Arbeitsschritte, die tatsächlich verlangen, dass die Anlage nicht produziert. Das externe Rüsten kann durchgeführt werden, während die Anlage produziert. Beispielsweise lassen sich in einer Abfüllanlage die Füllköpfe tatsächlich nur während des Stillstandes wechseln. Die zuführenden Pumpen und Schläuche müssen ausgebaut, gereinigt und wieder eingebaut werden. Doch halt! Muss das wirklich so gemacht werden? Hierzu muss jeder Arbeitsschritt einzeln betrachtet werden: Der Ein- und Ausbau der Pumpen und Schläuche ist internes Rüsten, aber das Reinigen nicht. Mit einem doppelten Satz Pumpen und Schläuche liegen diese nach dem Ausbau des verwendeten Satzes bereits gereinigt und zum direkten Einbau bereit. Und der verwendete Satz Pumpen/Schläuche wird gereinigt, während das folgende Produkt B abgefüllt wird, die Anlage also läuft. Weiter wird der kritische Pfad definiert: Dieses sind die absolut notwendigen Arbeitsschritte, die intern notwendig und nicht weiter parallelisierbar sind. Alle anderen Arbeitsschritte sind entweder vorher (Heranschaffen neuer Rüstteile), nachher (Reinigung der Pumpen/Schläuche) oder parallel zum kritischen Pfad durchzuführen (beispielsweise neue Broschüren, Etiketten, Rohmaterialen auflegen). Berater von Chemgineering konnten in einem konkreten Beispiel den kritischen Pfad von acht auf fünf Schritte verkürzen und dabei die Rüstzeit bei einer Anlage von 81 auf 41 Minuten senken. Dies bedeutete für jede Schicht mit je einem Rüstvorgang eine Steigerung der OEE um 8,3%. Bei häufigeren Formatwechseln erhöht sich dieser Wert entsprechend.

Zu Risiken und Nebenwirkungen …
Ein wichtiger Aspekt hierbei ist, bei aller Fokussierung auch die Wirkung auf andere Aspekte und Kennzahlen nicht zu verlieren. Eine Rüstzeitoptimierung hat auch Effekte auf die Arbeitsproduktivität: diese sinkt kurzfristig. Es müssen Batches geplant werden, die vergleichbar sind und nicht notwendigerweise das benötigte Produkt hervorbringen. Ebenso benötigen die Veränderungen eine Zeit, bis das neue Rüstregime «in die DNA» der Mitarbeiter übergegangen ist. Je nach Produktion kann es notwendig sein, sich zu entscheiden: Ist der Effekt durch Einübung grösser, als ökonomische Losgrössen zu produzieren, kann sich «Lean Repetitive Flexible Supply» lohnen. Es werden pro Produkt nur noch feste Losgrössen produziert, die Rüstzeit sinkt, aber die Herausforderungen an die Lagerhaltung und Kundenversorgung (Abb. 2) erhöhen sich. Diese Abwägung gehört zu allen seriösen Optimierungen dazu. Das oben genannte Beispiel verlangt neben einem anderen Arbeitsablauf auch die Investition in Pumpen und Schläuche und steigert damit potenziell die Anlagenkosten. Hier hilft die Abschätzung des ROI (Return on Investment): Dieser lag im oben erwähnten konkreten Beispiel bei 20 Arbeitstagen.

 

Die Asset-Management-Reihe wird im Chemgineering Newsletter in einer lockeren Abfolge weitere Verbesserungs- und Optimierungsprojekte vorstellen und mit Bespielen aufzeigen, dass nachhaltige Lösungen mögliche Auswirkungen auf andere Bereiche immer mit im Blick haben müssen. Nur so ist wahre Kosteneffizienz durch Asset-Management möglich. Und dies ist die Aufgabe eines professionellen Asset-Managements.

 

1 Im Newsletter Nr. 69 wurde ein Aspekt des Asset-Managements detailliert vorgestellt (Operational Strategy 2022), der strategischen Standortwahl für eine neu zu errichtende Anlage. Für bestehende Anlagen wurden in den Newslettern Nr. 62 (Ein starkes EGO in der Praxis), Nr. 63 (Eine starke Anlagennutzung dank EGO) und Nr. 64 (Effiziente Instandhaltung pharmazeutischer Anlagen) von Dr. Thomas Lellau auf die Felder der Kostensenkung mittels Bestandsreduzierung, Anlageneffizienz (OEE) sowie Instandhaltungsmanagement als Teile des Asset-Managements eingegangen.
2 OEE = Overall Equipment Efficiency
3 Die Bewertung der einzelnen Massnahmen muss gewissenhaft und präzise erfolgen. Die Farben zeigen die Wechselwirkungen: Eine Bestandsreduktion im Lager (braun) hat Einfluss auf den Sicherheitsbestand (braun) und möglicherweise auf die Durchlaufzeit (braun).

Paul Grube|Senior Consultant|Management Consulting|Chemgineering|The Business Designers

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