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Target Costing

Target Costing
Target Costing

Das marktorientierte Kostenmanagement ist essenziell für eine erfolgreiche Unternehmensplanung

Target Costing ist ein Instrument des strategischen Kostenmanagements und hilft Ihnen dabei, die Budgetierung und Planung von Projekten sowohl den Anforderungen des Marktes als auch denen Ihres Unternehmens anzupassen. Nur so können Sie von Anfang an bei der Projektplanung den Fokus auf die richtigen Produktfunktionen und -komponenten legen und damit die Wertschöpfung Ihres Unternehmens betriebswirtschaftlich steuern.

Target Costing ist ein Lösungsansatz für die Kostenprobleme in der Life-Sciences-Industrie

Die Life-Sciences-Industrie verfügt über ein hohes Innovationspotenzial, aber kämpft zurzeit mit hohen Forschungs- und Produktionskosten. Dementsprechend ist es notwendig, kritische Entscheidungen quantitativ zu beleuchten, um die richtigen Schlüsse für eine erfolgreiche Projektplanung zu ziehen. Diese sind vor allem in den Bereichen Portfoliomanagement, Kapazitätsplanung, Prozessentwicklung und Anlagenplanung aufgrund wirtschaftlicher, technischer und klinischer Unsicherheiten notwendig.

Die traditionellen Cost-Plus-Kalkulationen reichen nicht mehr aus

In der herkömmlichen Kostenplanung wird der Verkaufspreis im weitesten Sinne aus den Herstellkosten (inkl. Entwicklungs- und Zulassungskosten) und der erwünschten Gewinnspanne / Marge errechnet. Damit rücken die Kunden- und Marktanforderungen stark in den Hintergrund, was fatale Folgen in der heutigen Wettbewerbssituation haben kann. Im marktorientierten Target Costing dagegen legt man das Budget von Projekten so fest, dass der Kunde mit dem Verkaufspreis und das Unternehmen mit dem erwirtschafteten Gewinn zufrieden sind.

Bisher wurden Fragestellungen zu Kostenplanungen auf folgenden zwei Wegen bearbeitet: Entweder definieren die Projektleiter den Kostenzielwert auf Basis der intern kalkulierten Bottom-up-Kosten, oder das Topmanagement legt das Budget für neue Entwicklungen als Prozentsatz von finanziellen Kennzahlen wie Umsatz und Gewinn für F & E fest. Im ersten Fall könnten die Kosten derart ansteigen, dass der endgültig erzielbare Verkaufspreis den erwarteten Gewinn gegebenenfalls nicht hergibt. Das könnte daran liegen, dass bei einem höheren Verkaufspreis die Anzahl verkaufter Produkte und damit der Umsatz erheblich sinken. Im zweiten Fall kann es schnell dazu kommen, dass ein ehrgeizig gesetztes Budget nicht ausreicht und dadurch die Handlungsoptionen für F & E unangemessen eingeschränkt werden.

Der grundlegende Gedanke im Target Costing ist es, die oben beschriebenen Szenarien zu vermeiden und die Planungsprozesse betriebswirtschaftlich und marktorientiert auszurichten. Nur mit dieser Balance kann man schon in der Entwicklungsphase eines Produktes die benötigten Ressourcen minimieren, den Fokus auf den Anwendernutzen richten und dabei den zeitlichen, finanziellen und qualitativen Rahmen einhalten, den die Unternehmens- und Marktsituation vorgeben.

Target Costing als Vermittler der Zielkosten zwischen unternehmensinternen und -externen Bedingungen

Im ersten Schritt des Target-Costing-Prozesses wird eine Vorstellung für den «maximalen Verkaufspreis» durch bspw. Internetrecherchen, Marktstudien und Umfragen in der Zielgruppe entwickelt. Darauf basierend erfolgt die Ermittlung der angestrebten Gewinnmarge, die das Unternehmen für das neue Produkt vorgibt. Aus der Differenz zwischen dem erwarteten Umsatz und dem gewünschten Gewinn ergibt sich das Entwicklungs- und Herstellkostenbudget für das neue Produkt, die sogenannten «allowable costs». Aufgrund der direkten Orientierung an der Wettbewerbssituation und den Anwenderanforderungen bedarf dieser Prozess der Top-down-Budgetfindung eines soliden Verständnisses für Entwicklung, Herstellung und Markterfordernisse.

Als «drifting costs» beschreibt man die Bottom-up-Standardkosten, welche F & E für das Projekt anvisiert. Es richtet sich an den konstruktions- und produktionstechnischen Kapazitäten des Unternehmens und an Erfahrungswerten aus vergangenen ähnlichen Projekten aus. Bei der Ermittlung des Budgets auf diesem Wege werden oft Funktionen und Produktkomponenten einbezogen, die nicht essenziell für den Erfolg des Projektes sind. Dementsprechend sind die «drifting costs» häufig höher als die «allowable costs». Der Kompromiss zwischen diesen beiden Werten sind die «Target Costs», die als Kostenobergrenze für das Projekt festgelegt werden. Diese müssen eingehalten werden, um den gewünschten Gewinn zu erzielen.

Der Zielkostenindex ist der Schlüssel zur Überwachung Ihrer Kostenplanung

Nach der Ermittlung der Target Costs wird in der Phase der Zielkostenspaltung das festgelegte Budget zunächst einzelnen Produktfunktionen und anschliessend Produktkomponenten zugeordnet. Hierbei ist es wichtig, dass der Kostenanteil für die einzelnen Komponenten sich nicht zu sehr von deren jeweiliger, «relativer Bedeutung» für das gesamte Produkt unterscheidet. Die «relative Bedeutung» der einzelnen Komponenten wird in einer Funktionen-Komponenten-Matrix ermittelt. Hier werden die Einzelgewichtungen sowohl einzelner Funktionen bezüglich des Produktes als auch der Produktkomponenten bezüglich einzelner Funktionen kombiniert. Während der anschliessenden Budgetierung einzelner Produktkomponenten, der sogenannten «Zielkostenspaltung», muss das Verhältnis zwischen dem Kostenanteil und der relativen Bedeutung der jeweiligen Produktkomponente ermittelt und bewertet werden. Die resultierende Kennzahl wird als Zielkostenindex bezeichnet und dient als Grundlage für die Zielkostenkontrolle während der Umsetzung des Projektplanes.

Target Costing hat vielfältige Anwendungen

Eine der ersten Anwendungen fand während der Entwicklung des VW-Käfers statt, für den der Reichsverband der Automobilindustrie 990 Reichsmark als oberste Grenze für den Verkaufspreis festlegte. Verschiedene Entwicklungen wurden dem ambitionierten Budget angepasst, ohne dabei die Qualität des Autos zu beeinflussen und die Kunden zu enttäuschen. Dies war bekanntermassen eine erste automobile Erfolgsgeschichte. Da das Target Costing eine sinnvolle Option für alle wettbewerbsintensiven Märkte darstellt, wird es zwischenzeitlich vermehrt auch in der Life-Sciences-Industrie angewendet. Folgende Fragestellungen können wir mit Hilfe des Target Costings beantworten:

Strategisch / kommerzielle Fragen:

·  Wie viel darf ich für die Entwicklung und Produktion meines neuen Produkts ausgeben?

·  Welche Produkte in meiner Pipeline soll ich kommerzialisieren?

·  Welchen Teil der Produktion muss ich outsourcen?

Operativ / taktische Fragen:

·  Inwiefern ist es sinnvoll, neue Technologien in meinen Produktionsprozess zu integrieren?

·  Habe ich die richtigen Prioritäten bei der Budgetierung einzelner Prozessschritte gesetzt?

·  Ist meine Produktionsstrategie resistent gegenüber fluktuierenden Produktionsfaktoren und sich verändernden Bedarfen?

Als Unternehmer dem harten Wettbewerb ausgesetzt zu sein, macht genau dann Freude, wenn Kosten und Qualität beherrscht sind. Mit Target Costing die eigene Produktpipeline gezielt neu auszurichten, bedeutet, mit Sicherheit den entscheidenden kleinen Vorteil zu nutzen.

Die Spezialisten der Chemgineering zeigen Ihnen gerne, wie das gehen kann. Probieren Sie es doch einfach aus!

Freedanz Ferdinandz | Junior Consultant Management Consulting |Chemgineering – The Business Designers
freedanz.ferdinandz@chemgineering.com

 

Abb. 1: Der Target-Costing-Prozess führt zu einer Kostenstrategie, die das gesamte Wertschöpfungsnetzwerk des Unternehmens berücksichtigt.

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