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Verordnetes Energiesparen

Verordnetes Energiesparen
Verordnetes Energiesparen

Das österreichische Parlament hat am 9. Juli 2014 die EU-Richtlinie 2012/27/EU1 über Energieeffizienz mit Verabschiedung des Energieeffizenzgesetzes (EnEffG)2  auf nationaler Ebene umgesetzt. Der ursprüngliche Gesetzesentwurf wurde jedoch massiv aufgeweicht, so dass von einem verordneten Energiesparen für energieverbrauchende Unternehmen nicht mehr gesprochen werden kann. Dennoch zwingt das Gesetz Unternehmen zum Umdenken und zu schnellem Handeln.

Ziele und Grenzen des Gesetzes
In dem nationalen Gesetz wird festgelegt, dass bis 2020 1,5% des österreichischen Endenergiebedarfs pro Jahr eingespart und der gesamte Energieverbrauch stabilisiert wird. Dies entspricht bis zum Jahre 2020 der Endenergiemenge von 50 PJ beziehungsweise der Leistung von 14 Donaukraftwerken. Zur Erreichung dieser Ziele werden die Energielieferanten und die öffentliche Hand verpflichtet, die eine Vorbildrolle einnehmen sollen. In der derzeit gültigen Ausgabe des Energieeffizienzgesetzes gibt es für energieverbrauchende Unternehmen keine Einsparungsverpflichtungen mehr. Auch bürokratische Aufzeichnungsverpflichtungen und verpflichtende Energieberatungen oder Energieaudits (EA) für KMU bis 250 Mitarbeiter wurden ersatzlos gestrichen. Noch im Jahr 2013 waren bei Nichterfüllung des kollektiven Einsparzieles verpflichtende Energieaudits bzw. Energieberatungen für KMU vorgesehen. Diese wurden aber nicht umgesetzt. Trotzdem soll für KMU mit 20-Mio.-Finanzierung ein Anreiz für Energiesparberatungen geschaffen werden.
 
Das Geschäft mit den Energieeffizienzmassnahmen
Die Energielieferanten müssen Energieeffizienzmassnahmen bei sich, ihren Kunden oder anderen Verbrauchern im Umfang von 0,6 % der von ihnen im Vorjahr abgegebenen Endenergiemenge nachweisen. Sollten sie das gesetzte Ziel selbst nicht erreichen können, so besteht die Möglichkeit, die umsetzbaren Massnahmen auszuschreiben und von Verbrauchern durchführen zu lassen. Anderenfalls wird eine Ausgleichszahlung von 20 Cent/kWh an den Energieeffizienzfonds fällig. Somit besteht die Möglichkeit, dass Unternehmen ihre Massnahmen an Energielieferanten verkaufen. Auch Massnahmen, welche schon 2014 umgesetzt wurden und über 2020 hinaus zu Einsparungen führen, können zu diesen attraktiven Bedingungen angeboten werden. Massnahmen mit kürzerer Einsparlaufzeit werden aliquot angerechnet. Unter diesen Rahmenbedingungen ist es deshalb sinnvoll, sich mit (seinem) Energieversorger frühzeitig in Verbindung zu setzen, um eventuelle Möglichkeiten für Förderungen für konkrete oder geplante Vorhaben auszuloten.

Verpflichtungen für grosse Unternehmen
Obwohl in Österreich dadurch keine effektive Einsparverpflichtung für energieverbrauchende Betriebe umgesetzt wurde, kommen auf «grosse Unternehmen» (Definition siehe EnEffG §5 Abs 1 Z19–21) eine Reihe von bürokratischen Herausforderungen zu. Die meisten unserer Kunden im pharmazeutischen Bereich fallen unter diese Kategorie, für sie ergeben sich die Verpflichtungen gemäss Tabelle 1.

Rasches Handeln ist gefragt
Innerhalb von nur sieben Monaten sind organisationsweite Energieaudits durch- oder ein Energiemanagementsystem einzuführen. Damit ergeben sich für Unternehmen, welche noch keines dieser Systeme verwirklicht haben, zwei Möglichkeiten: die Einführung eines EMS oder die regelmässige Durchführung von Energieaudits (siehe Tabelle 2).

Ein Wechsel vom EMS auf Energieaudits und vice versa ist innerhalb des Verpflichtungszeitraumes möglich. Für die Umsetzung ist das Mutterunternehmen verantwortlich. Integraler Bestandteil beider Systeme ist die verpflichtende Durchführung von Energieaudits. Während bei einem EMS auch interne Audits zulässig sind, müssen bei reinen Energieaudits externe Dienstleister herangezogen werden. Hier trägt das neue EnEffG sehr viel zur Qualitätssteigerung bei, da die Auditoren verpflichtende Qualitätsansprüche erfüllen müssen. Die erzielten und nachweisbaren Ergebnisse aus den Massnahmen müssen durch das Unternehmen selbst oder durch den Energieauditor unverzüglich der Monitoringstelle gemeldet werden. Falschangaben führen zu empfindlichen Verwaltungsstrafen. Wegen einer Neuausschreibung nimmt die Monitoringstelle erst im Sommer ihre Aufgaben wahr, interimistisch ist das Lebensministerium verantwortlich.

Wo liegen die Potenziale
Die Wertschöpfung in Pharmaunternehmen wird in der Produktion generiert. Abhängig von der verwendeten Technologie ist dort weniger Einsparungspotenzial als bei den Energieversorgungs- und Infrastruktursystemen (EIS) zu erwarten. Das Risiko eines Produktionsausfalls oder die negative Beeinflussung der Produktqualität durch falsch gesetzte Massnahmen steigen. Es empfiehlt sich deshalb, im Bereich der EIS anzusetzen und systematisch die Versorgungssysteme zu untersuchen. Ein Hauptaugenmerk der Energieaudits liegt bei der (Reinraum-) Lüftungstechnik, welche einen massgeblichen Anteil der Energiekosten in Pharmaunternehmen verursacht. Für die Bewertung der Massnahmen muss das Methodendokument der AEA3 (Austrian Energy Agency) herangezogen werden, welches auch laufend erweitert wird.

Ein Energieaudit nach EN 16274-1 stellt durch die detaillierte Erfassung des Ist-Zustandes eine ideale Ausgangsbasis für die Einführung und Umsetzung eines EMS dar. Gerne unterstützt Sie Chemgineering als Partner bei der Einführung eines EMS, bei der Durchführung von internen oder externen Energieaudits oder bei der Entwicklung einer Strategie zur Umsetzung des Gesetzes für Ihr Unternehmen durch unsere registrierten Energieauditoren.


1    http://www.bmwfw.gv.at/EnergieUndBergbau/Energieeffizienz/Documents/EED.pdf
2    http://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2014_I_72/BGBLA_2014_I_72.pdf
3    http://www.monitoringstelle.at/fileadmin/docs/de/Methodendokumente/ Methodendokument_RK_AT_Okt13.pdf

 

Dr. Alexander Slanina|Gruppenleiter Energie und Infrastruktur|Chemgineering|The Technology Designers


 

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